Das Schleifen und Polieren von Edelsteinen in verschiedene Formen wird schon seit Jahrhunderten betrieben. Und diese Kunst ist es auch, die den Glanz und die Farbe eines Steins erst zur Geltung bringt. Ein Edelsteinschleifer muss viele Faktoren berücksichtigen und sehr fortgeschrittene Kenntnisse der Mineralogie haben, bevor er einen Stein schleifen und polieren kann. Form und Schliff sind jedoch nicht dasselbe, auch wenn diese beiden Begriffe in der Alltagssprache oft synonym verwendet werden. In diesem Artikel wollen wir Ihnen einen Überblick über verschiedene Formen und Schliffe geben, die Ihnen beim Kauf eines Schmuckstücks begegnen können.

Halskette und Ohrringe mit Morganit in Gelbgold - KLENOTA Formen und Schliffe von Edelsteinen - KLENOTA

Was unterscheidet Form und Schliff?

Die Form eines Steins wird erkennbar, wenn man den Stein von oben betrachtet. Sie ist meist eines der wichtigsten Kriterien bei einer Kaufentscheidung. 

Der Schliff bestimmt, wie die gesamte Oberfläche des Steins behandelt wird. Er wird durch die Anzahl und die zueinander relative Positionierung der Facetten, inklusive ihrer Winkel, bestimmt. Der Schliff bestimmt zudem, wie sehr ein Stein strahlt und funkelt, wenn Licht auf ihn trifft. In unserem Artikel “Edelsteinschleifen: ein exaktes Handwerk mit Tradition“ haben wir uns dem Thema des Edelsteinschleifens bereits ausführlicher gewidmet. 

Die Begriffe Form und Schliff bezeichnen also zwei unterschiedliche Dinge, sind aber untrennbar miteinander verbunden. Lassen Sie uns dies am Beispiel der runden Form erklären. Eine runde Form entsteht unter anderem bei einem Cabochon-Schliff, einem Brillantschliff oder einem Rosenschliff. Während ein Cabochon ein konvexer Glattschliff mit flacher Unterseite ist, werden Rosen- und Brillantschliff mit Facetten geschliffen, deren Anzahl, Form und Position genau definiert ist. Einzelne Schliffe sind allerdings nach der Form benannt, die sie ergeben.

Edelsteinformen

Zu den Grundformen zählen rund, oval, tropfenförmig (manchmal auch als Birne oder Pendeloque bezeichnet), Marquise (auch als Schiffchen oder Navette bekannt), herzförmig, quadratisches Kissen, rechteckiges Kissen, Baguette, Carré, längliches Oktogon, gleichförmiges Oktogon, Rechteck, Dreieck, Trillion, abgeschrägtes Baguette und Fantasieformen. All diesen Formen begegnen wir beispielsweise bei Diamanten - sehen wir sie uns also genauer an. 

Die runde Form

Der Klassiker unter den runden Formen ist der Brillant. Die Geschichte dieser Schliffart reicht zwar bis ins 17. Jahrhundert zurück, seine optimale Form wurde aber erst 1919 von dem Mathematiker Marcel Tolkowsky festgelegt, der die exakten Proportionen und Winkel jeder Facette definierte um die ideale Kombination aus innerem Feuer und Brillanz zu erzeugen. In unserem Blog haben wir dem Brillantschliff einen ganzen Artikel gewidmet, der genauer auf die Anatomie und Eigenschaften dieses Schliffs eingeht. Doch auch der Rosen- oder Rosettenschliff, den man heutzutage vor allem bei antiken Schmuckstücken findet, hat eine runde Form. Der Rosenschliff kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, denn er kam bereits im Mittelalter zum Einsatz. Der gesamte Oberteil des Steins ist mit rautenförmigen Facetten versehen, die Rosetten genannte werden. Der Name dieses Schliffs leitet sich von der Rose ab, an deren Knospe der Schliff erinnert. 

Diamant-Verlobungs- und Ehering - KLENOTA Diamant im Rundschliff - KLENOTA

Das Oval

Die ovale Form bietet einen sehr großen Vorteil: Edelsteinschleifer können die Karat, also das Gewicht des Steins, optimal ausnutzen, da ein ovaler Stein bei selber Karatzahl größer wirkt als ein runder Stein. Das Oval wird häufig für den zentralen Stein bei Ringen eingesetzt, da es den Finger visuell verlängert und schmäler wirken lässt. Ein Ovalschliff hat für gewöhnlich 58 Facetten. 

Edelstein ovaler Schliff - KLENOTA goldener Diamantring mit Tansanit im Ovalschliff - KLENOTA

Kissen (Cushion)

Kissen ist die deutsche Bezeichnung für den sogenannten Cushion Cut. Die Form bezeichnet eine quadratische oder rechteckige Form mit abgerundeten Seiten und Ecken. Meist haben Steine im Kissenschliff große Facetten, die das weiße Licht gut von den Spektralfarben trennen. Durch sie kann Licht zudem besser im Stein gestreut werden um etwaige Makel zu verbergen. 

Edelstein im Kissenschliff - KLENOTA

Die Tropfenform

Die Tropfenform ist eine interessante Schliffform, die besonders an Halsketten sehr feminin wirkt. Manche tropfenförmigen Steine werden mit einer sogenannten Französischen Spitze (auch French Tip genannt) geschliffen, bei der die Hauptfacette des Oberteils durch einen Stern aus mehreren kleinen Facetten ersetzt wird. Andere Tropfenformen wirken durch sogenannte “hohe Schultern” ein wenig eckiger. Leider ist diese Form anfällig für den “Bow-Tie-Effekt”, bei dem ein Schatten im Stein die Form einer Anzugfliege annimmt. Dieser Effekt tritt auch bei ovalen oder Marquise-Formen auf und kann durch geschicktes Schleifen reduziert werden. 

Diamantring mit Rubin in Gelbgold - KLENOTA Edelstein im Tränenschliff - KLENOTA

Ein bemerkenswerter Schliff in dieser Form ist der weniger bekannte Briolette-Schliff, der urprünglich aus Indien stammt. Es handelt sich um einen Mineralschliff in Birnenform mit Facetten rundum den gesamten Stein. Am besten kommt dieser Schliff bei Anhängern und Ohrringen zur Geltung, bei denen der Stein frei schwingen kann. Ein solcher Schliff sollte insgesamt 84 Facetten zählen.

ein Edelstein im Briolett-Schliff - KLENOTA

Marquise

Die Marquise-Form ist nicht sehr weit verbreitet und vielleicht aus genau diesem Grund besonders attraktiv. Um die Brillanz zu erhöhen wird auch diese Form gerne mit einer französischen Spitze geschliffen. Manchmal wird der Marquise-Schliff auch als längliche und zugespitzte Version des Brillanten interpretiert. Der Marquise-Schliff hat 57 oder 58 Facetten. 

Edelstein im Marquise-Schliff - KLENOTA Diamantring mit Diamant im Marquise-Schliff aus Weißgold - KLENOTA

 

Quadrat (Carré)

Das Carré ist eine Form, die viele interessante Schliffarten hervorbringt. Für Diamanten ist ein quadratischer Schliff die natürlichste Form, da er der Form der Kristalle entspricht. Allerdings stellt das Carré für die Anordnung der Facetten durchaus eine Herausforderung dar. Der bahnbrechende und wohl bekannteste Schliff in dieser Form ist der Princess Cut oder Prinzessschliff, der einem Brillantschliff in quadratischer Form entspricht. Für gewöhnlich hat er 58 Facetten. Sein Vorgänger war der Barion-Schliff, der auf dreieckigen Facetten basierte. Dieser wurde von Basil Watermayer aus Johannesburg patentiert und später modernisiert. Kurz nach Auslaufen des ursprünglichen Patents wurde der bahnbrechende Prinzessschliff erfunden, der sich auch heute noch sehr großer Beliebtheit erfreut - besonders bei Verlobungs- und Eheringen. Charakteristisch für den Prinzessschliff ist seine hohe Brillanz und sein im Vergleich zu anderen quadratischen Schliffen sehr starkes Feuer. Zudem lassen sich kleine Makel und Vergilbungen sehr viel leichter verbergen. Die ausreichende Höhe des Steins ist eine Voraussetzung für einen guten Prinzessschliff. 

Edelstein im Prinzessinnenschliff - KLENOTA

Herz

Das Herz ist das ultimative Symbol der romantischen Liebe. Genau wie bei tropfenförmigen und Marquise-Schliffen, kommt auch bei Herzformen manchmal ein French Tip zum Einsatz, um die Brillanz zu erhöhen. Der Edelsteinschleifer entscheidet sich meist für diese Option um so wenig Edelsteingewicht wie möglich zu verlieren oder um kleine Makel im Inneren des Steins zu beseitigen. Eine Herzform kann breit oder schmal sein, mittig tief oder flach ausgeschnitten werden und die Steine können unterschiedliche Höhen aufweisen. Cutter haben hierbei die freie Wahl. Auch die optischen Qualitäten können sich sehr stark unterscheiden, weshalb immer zwischen der gewünschten Form und den optimalen Bedingungen für Brillanz und Farbe abgewogen werden muss. Herzförmige Schliffe werden meist mit 56-59 Facetten gefertigt. 

Diamantring mit herzförmigem Diamanten aus Weißgold - KLENOTA herzförmiger Edelstein - KLENOTA

Oktogon

Das Oktogon ist eine sehr interessante Form, die länglich oder gleichförmig sein kann. Ein Beispiel für ein längliches Oktogon liefert der gestufte Smaragdschliff. Dieser war eine der ersten Schliffarten überhaupt, die im Handel mit Edelsteinen zum Einsatz kamen. Wie der Name schon sagt, wird dieser Schliff sehr häufig bei Smaragden angewandt. 

Smaragdförmiger Edelstein - KLENOTA Ring mit Moissanit im Smaragdschliff in Gelbgold - KLENOTA

 

Ein weiterer Schliff dieser Form ist der Radiant-Schliff, der Qualitäten des Prinzess- und Smaragdschliffs kombiniert. Der Asscher-Schliff hat die Form eines “quadratischen” Oktogons und ist für seine einzigartigen optischen Qualitäten und seine prismatische Brillanz bekannt. Durch die Anordnung der Facetten entsteht ein optischer Effekt, der an ein Kaleidoskop oder ein Spiegelkabinett erinnert. 

Baguette

Baguette ist die perfekte Form für Steine, die im Rohzustand bereits flach und lang sind. Es handelt sich um eine sehr sparsame Schliffart mit nur 14 Facetten, bei der nur ein sehr kleiner Teil des ursprünglichen Steins verloren geht. Es besticht nicht unbedingt durch hohe Brillanz und wirkt manchmal fast ein wenig wie Glas. Der Baguette-Schliff kommt meist bei seitlichen Ziersteinen zum Einsatz oder wenn eine schimmernde Linie oder Oberfläche erzeugt werden soll, wie etwa bei Pavé- oder Kanalfassungen. Wie alle rechteckigen Formen kann es in Stufen geschliffen werden. 

Baguette-förmiger Edelstein - KLENOTA

Dreieck (Trillion)

Vorteile einer dreieckigen Form sind die sehr hohe Brillanz, sowie die Tatsache, dass Einschlüsse sehr leicht versteckt werden können. Der Trillion Cut wurde in er zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Basis des Brillantschliffs entwickelt und ist somit als relativ neuer Schliff besonders für moderne Designs geeignet. Edelsteine in dieser Form eignen sich sowohl als Solitär, als auch zur Ergänzung eines Hauptsteins an den Seiten. 

Luxus-Diamantring im Billionenschliff aus Weißgold - KLENOTA

Drache (Kite)

Die sogenannte Drachen- oder Kite-Form ist ein Dreieck, das an zwei Punkten abgeschrägt ist. Diese Form entspricht der Seitenansicht eines Brillanten - und genau diese Ähnlichkeit zum Brillantschliff ist es auch, die den Kite so populär macht.

Edelstein im Drachenschliff - KLENOTA

Edelsteinformen bei KLENOTA Schmuck

Wir arbeiten am häufigsten mit Diamanten in rundem Brillantschliff, die besonders bei Verlobungs- und Eheringen gute Figur machen. Wenn Licht in den Brillant eindringt, entsteht allein durch die Brechung ein atemberaubender Effekt. In diesem Artikel können Sie mehr über diese spezielle Schlifftechnik erfahren. 

Doch wir arbeiten durchaus auch mit weniger traditionellen Formen und Schliffarten, bei denen optische Qualität, richtige Größe und Symmetrie, sowie eine gute Einfassung in den Schmuck, die das Herausfallen des Steins verhindert, unabdingbar sind. All diese Faktoren beeinflussen den Gesamteindruck eines Schmuckstücks - und dieser soll schließlich perfekt sein.

Diamantring mit Morganit in Roségold - KLENOTA Edelsteine - KLENOTA

Brillanten in ovalen Formen oder die modernen Cushion- und Princess Cuts im Quadrat kommen besonders bei Ringen perfekt zur Geltung. Als Vertreter der rechteckigen Formen finden Sie in unserem Angebot beispielsweise den Smaragdschliff, der zu Ringen, Ohrringen und Anhängern passt oder die eher unüblichen Asscher- und Radiant-Schliffe. Für alle romantischen Seelen haben wir herzförmige Steine in unserem Angebot, die wir meist bei Ohrringen oder als Kettenanhänger einsetzen.