Wenn wir Schmuck in unserem Atelier anfertigen, muss immer eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen werden und eine davon ist: wie soll der Stein in einem Schmuckstück gefasst sein? Die alte Handwerkskunst, die sich mit dieser Frage beschäftigt, nennt sich Edelsteinfassung und die Person, die dieses Handwerk ausübt ist der Edelsteinfasser. Seine Arbeit ist sehr anspruchsvoll, denn sie verlangt Spezialwissen im Fach der Gemmologie, im Edelsteinschliff und zur Politur, sowie ein detailliertes Grundverständnis der Goldschmiedekunst. Edelsteinfasser müssen zudem immer absolut präzise und akkurat arbeiten. Häufig bearbeiten sie Steine mit einer Größe von weniger als 1 Millimeter oder Steine im Wert von vielen tausend Euro. Im folgenden Artikel erfahren Sie alles über die Entstehung und Weiterentwicklung dieser feinen Handwerkskunst und wie wir bei KLENOTA heute unsere Edelsteine in Schmuck fassen. 

Die Entwicklung der Edelsteinfassung

Schmuck wurde schon in prähistorischen Zeiten getragen. Dieser Schmuck war meist recht einfach und bestand aus Stöcken und Knochen. Sobald die Menschheit lernte, Metall zu bearbeiten, entstanden auch die ersten Schmuckstücke aus Metall, meist aus Bronze, Eisen, Silber oder Gold. Dieser Schmuck wurde aus dünnem Blech und Draht gefertigt und gewann mit der Zeit zunehmend an Komplexität. Mit der Erfindung des Gießverfahrens entstand letztendlich jene Methode, die in großen Teilen auch noch heute zum Einsatz kommt. Nachdem die Grundform durch das Gussverfahren hergestellt wurde, konnte das Schmuckstück weiter mit gedrehten Drähten, kleinen Perlen, Gravuren und Ähnlichem verziert werden. 

Das bei weitem markanteste Element jedes Schmuckstücks war aber definitiv der Edelstein, der meist von spiritueller Bedeutung war oder als heilend galt. Er sollte den Träger beschützen, böse Energien abwehren oder war ein Symbol für eine bestimmte Gottheit. Die ersten solchen Schmuckstücke sind uns aus der Antike bekannt. In Ägypten beispielsweise wurden Edelsteine von einem Band umrahmt, das den Stein an seinem Platz hielt. Die beliebtesten Edelsteine waren Jaspis, Karneol, Malachit, Quarz, sowie Lapislazuli und der Türkis, deren blaue Farbe im alten Ägypten als königlich galt. Die Steine wurden zu Cabochons und zu kleineren Steinen geschliffen und poliert und anschließend weiterverarbeitet. Andere Mineralien waren ebenfalls bereits bekannt, wurden aber häufig durch Glas ersetzt, da sie zu schwer zu bearbeiten waren. 

Edelsteinfassung - KLENOTA  Diamant Schnitt

Erste Erwähnungen der Edelsteinfassung

Das Handwerk der Edelsteinfassung als eigene Disziplin entstand aber erst später - nämlich im Italien des 14. Jahrhunderts. Das Mittelalter war eine schwere Zeit, geprägt von Armut, Krankheit und Krieg. Edelsteine und Schmuck aus Edelmetallen waren der Oberschicht und der Kirche vorbehalten, die sich vorwiegend mit Jaspis, Granat, Saphir und Smaragden zu schmücken pflegten. 

Mit dem Fortschreiten der Jahrhunderte wurden einfachere Mineralien auch für die Mittelschicht erschwinglich. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren vor allem Perlen, Achat und schwarzer Onyx beliebt. Im Jugendstil (um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert) waren Perlen nach wie vor beliebt und transparente Edelsteine wie Diamanten, Amethysten und Aquamarine wurden sehr gerne getragen. In den 1920er und 1930er Jahren erfreuten sich geometrische Formen wachsender Popularität und so wurden in dieser Zeit eine Vielzahl von innovativen neuen Edelsteinschliffen entwickelt, insbesondere quadratische Formen. Das Kontrastieren von transparenten und opaken Edelsteinen war ebenfalls besonders beliebt - wie etwa von Diamanten mit Onyxen. Die neuen Technologien der Edelsteinschleiferei beförderten auch Entwicklungen in der Edelsteinfassung. Die Kanalfassung beispielsweise, bei der eine Reihe von kleinen Edelsteinen von zwei Metallschienen gehalten wird, entstand in dieser Zeit. 

Edelsteinfassung als Kunstform

Schmuck kann auf verschiedene Arten mit Edelsteinen besetzt werden. Der Stein kann von Krappen gehalten, in das Metall eingelassen oder von einem Metallband umschlossen werden. Man könnte glauben, dass es bei der Wahl der Fassung ausschließlich um das Erscheinungsbild des Schmuckstückes geht, doch bei der Entscheidung gibt es noch einige andere Faktoren, die bedacht sein wollen. Die Fassung muss vor allem anderen ihren funktionalen Zweck erfüllen und soll zugleich die Vorzüge der Edelsteine bestmöglich hervorheben. Die Qualitäten des jeweiligen Minerals (seine Härte, Bruchweise und seine Transparenz), die Größe, Art des Schliffes und das Metall, aber auch wie oft das Schmuckstück getragen werden soll - all das muss bei der Wahl der Fassung beachtet werden. 

Diese Informationen sind auch für die Wahl der Werkzeuge relevant, denn der Stein soll bei der Handhabung nicht beschädigt werden. Manche Steine zerkratzen leicht, andere neigen zum Brechen. Ein gutes Beispiel sind der Moldavit und der Smaragd, die nicht in jeder Fassung gefasst werden können. Ein Edelsteinfasser muss auch darüber entscheiden, wie der Edelstein zu positionieren ist um etwaige Schönheitsfehler zu verstecken. 

Diamantschliffe - KLENOTA Edelsteinfassung - KLENOTA

Wie wählt ein Edelsteinfasser den richtigen Schliff?

Edelsteinfasser arbeiten mit zwei Arten polierter Steine: Cabochons und facettierte Steine, die sich jeweils für unterschiedliche Minerale eignen. 

Facettierung eignet sich vor allem für transparente Steine, bei denen ihr Funkeln, das sogenannte innere Feuer, hervorgehoben werden soll. Dies geschieht durch das Schleifen in einzelne Oberflächen (Facetten genannt), die das Licht so brechen und reflektieren, dass es wirkt, als strahle der Stein von innen heraus. Ein zentrales Element ist hierbei der sogenannte Gürtel. Der Gürtel ist die von oben gesehen breiteste Stelle des geschliffenen Edelsteins und bildet die Grenze zwischen oberer und unterer Hälfte (der Krone respektive dem Pavillon) des Steins. Der Gürtel legt sich seinem Namen entsprechend um den gesamten Umfang und da ein Teil des Gürtels ungeschliffen bleiben kann, spielt er in der Herkunftsbestimmung häufig eine bedeutende Rolle. Der Gürtel ist es auch, der von der Fassung festgehalten wird. 

Der Cabochon-Schliff eignet sich besonders für undurchsichtige Steine wie Achat, Opal, Onyx oder Türkis. Bei dieser Schliffart wird der Stein rund oder oval geschliffen, hat eine flache Unterseite und ist nach oben hin konvex. Auch bei Mineralien mit Katzenaugeneffekt, bei Labradorit und Sonnen-, sowie Mondstein kommt dieser Schliff sehr gerne zum Einsatz, da er ihre Vorzüge wunderbar hervorzuheben vermag. 

Der Cabochon-Schliff Edelsteinfassung - KLENOTA

Der Schlüssel zum perfekten Schmuckstück ist ein schöner Edelstein, der sich perfekt in das Design einfügt. Um dies zu erreichen wählen wir bei KLENOTA jeden Stein einzeln nach seinen optischen Qualitäten, Dimensionen und der Symmetrie des Schliffes aus. Hätte der Stein eine andere Größe, könnte er einerseits das harmonische Gesamtbild des Schmucks stören und andererseits leichter herausfallen. Dies ist auch der Grund, warum wir keine Steine von Kunden zur Fassung annehmen. Denn unser Ziel ist Qualität, Perfektion und Zufriedenheit - und in solchen Fällen könnten wir diese nicht garantieren. 

Arten der Fassung

Krappenfassung

Krappen sind kleine Greifer, die den Stein festhalten und zugleich zu einem gewissen Grad auch schützen. Meist werden 4, 5, 6 oder sogar 8 Krappen verwendet, die einzeln, doppelt, rund, gespitzt oder flach sein können. Immer öfter sehen wir auch Fassungen mit nur drei Krappen, die sich für den Trillion-Schliff, aber auch für runde Steine sehr gut eignen. Manche Krappen halten auch mehr als nur einen Stein. Die Entscheidung über die Anzahl der Krappen hängt vom Schmuckdesign, aber vor allem von Schliff und Größe des Edelsteins ab. Jede Krappe hat eine kleine Nut (eine Kerbe), in die der Stein perfekt passen muss. Diese Nut muss je nach Steingröße richtig ausgerichtet werden, bei allen Krappen an derselben Stelle liegen und darf nicht zu tief sein, sodass die Krappe nicht brechen kann. Nachdem der Stein in diese Nut gesetzt wurde, wird der obere Krappenteil über den Gürtel nach innen gebogen bis der Stein sich nicht mehr bewegen kann. Zuletzt werden die Krappen aneinander angeglichen, geschliffen und poliert. 

Edelsteinfassung KLENOTA

Diese Fassung eignet sich besonders für Solitäre - große, zentrale Steine, die den Hauptfokuspunkt des Schmuckstücks darstellen. Der große Vorteil der Krappenfassung ist, dass das Licht von allen Seiten in den Stein eindringen kann und seine Farbe, Helligkeit und sein inneres Feuer so perfekt zur Geltung kommen. So kann der Stein besonders hell strahlen!

Krappen gibt es in verschiedenen Längen und Stärken, die je nach Schmuckart und Größe des Steins ausgewählt werden. Hin und wieder kann sich eine Krappe lockern, wenn sie beispielsweise an einem Kleidungsstück hängen bleibt. Aus diesem Grund sollten Sie Ihren Schmuck regelmäßig überprüfen. Wenn Sie feststellen, dass der Stein sich bewegt oder sich die Krappen gelockert haben, sollten Sie den Schmuck nicht weiter tragen und sofort zu uns bringen. Bei KLENOTA ist eine solche Reparatur im kostenlosen Service mitinbegriffen. 

Pavé Fassung

Die Pavé-Fassung ist ideal um viele kleine Steine in rundem Brillantschliff zu fassen. Die Steine werden sehr knapp aneinander gelegt, sodass kaum Metall zwischen ihnen zu sehen ist. Die Bezeichnung pavé stammt aus dem französischen und bedeutet soviel wie “gepflastert”, denn das fertige Schmuckstück sieht tatsächlich aus, als wäre es mit Edelsteinen gepflastert. Diese Fassung ist eine wahre Kunst, die nur von sehr erfahrenen Edelsteinfassern ausgeübt wird. Zunächst werden kleine Löcher in das Metall gebohrt, in die die Steine anschließend eingesetzt werden. Edelsteine, die in dieser Art gefasst sind lassen den Eindruck entstehen, das gesamte Schmuckstück bestehe aus funkelndem Edelstein. Meist werden kleine Diamanten in dieser Art gefasst. 

Eine weitere Fassungsart in der Krappen-Kategorie ist die sogenannte “Granattechnik”, die aus Tschechien stammt und speziell für Böhmische Granate entwickelt wurde. 

Edelsteinfassung KLENOTA Edelsteinfassung - KLENOTA

Spannungsfassung

Diese Fassung wirkt modern und schlicht und fasst einen einzelnen Stein in einem Ring. Der Stein wird nur durch die Spannung zwischen zwei Metallstücken gehalten und wirkt beinahe, als schwebe der Stein im Metall. Um eine solche Fassung anzufertigen, muss der Edelsteinfasser sehr geschickt und erfahren sein. Diese Art der Fassung erfordert Umsicht im Umgang mit dem Schmuckstück, da der Stein bei groben Stößen herausfallen oder splittern könnte. Der klare Vorteil liegt darin, dass das Licht ungehindert in den Stein eindringen kann und diesen wunderbar zum Strahlen bringt. 

Edelsteinfassung - KLENOTA Edelsteinfassung - KLENOTA

Kanalfassung

Auch diese interessante Art der Fassung finden Sie in unserer Kollektion - die Steine werden in einer Schiene nebeneinander gelegt und schließen auf gleicher Höhe mit dem Ringband ab. Die Steine werden durch Druck von Oben oder von der Seite fixiert. Diese Fassung kommt meist bei rechteckigen oder quadratischen Schliffen zum Einsatz und erzielen einen wahrlich einzigartigen Effekt. Doch auch für rund geschliffene Edelsteine ist die Kanalfassung durchaus geeignet. Der Vorteil liegt im Schutz des Edelsteins, der Nachteil in der etwas erschwerten Reinigung zuhause. Wenn Sie sich die Schmuckreinigung zuhause nicht zutrauen, bringen Sie Ihren Schmuck zu uns - die Reinigung und Sterilisierung durch UVC-Licht sind Teil unseres lebenslangen KLENOTA Service-Angebots. 

Edelsteinfassung - KLENOTA Handgemachter Schmuck KLENOTA

Lünettefassung

Die Lünette- oder auch Bezelfassung kommt vor allem bei Cabochons zum Einsatz. Der Edelstein wird von einem Metallband umschlossen, dessen oberer Teil im Anschluss um den Rand des Steins gebogen wird um diesen zu fixieren. Diese Art der Fassung ist sehr sicher, denn der Stein kann sich nicht einfach lösen und selbst wenn das Lünetteband sich lockern sollte, kann es einfach wieder in Position gepresst werden. Auch wenn das Lünetteband das Licht am Eindringen in den Stein hindert wird diese Fassung für Cabochons sehr gerne eingesetzt, da es die Form des Steins wunderbar betont und der Lichteinfall für opake Steine nicht so wichtig ist wie für transparente Steine. 

Die Lünettefassung ist die wahrscheinlich älteste Technik der Edelsteinfassung. Schon in der Antike wurden Edelsteine häufig als Cabochons geschliffen und diese Art der Fassung war für diesen Schliff schlicht die sicherste. Dies zeigt sich beispielsweise in der böhmischen St. Wenzelskrone, bei der die kleineren symmetrischen Steine in Lünettefassung gefasst sind. Bei KLENOTA haben wir dieser Art der Fassung eine ganze Kollektion gewidmet - die Bezel Kollektion. Lassen Sie sich von unseren minimalistischen und feinen Designs inspirieren. 

Edelsteinfassung- KLENOTA Edelsteinfassung - KLENOTA

Vor der Fassung

In der Schmuckherstellung stellt das Einsetzen des Steins meist den letzten Schritt eines langen Prozesses dar. Der Schmuck muss zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend fertiggestellt sein. Die Größe der Ringe und ihre Ausrichtung muss kontrolliert werden, bei Ohrringen muss der Verschluss überprüft werden und bei jedem Schmuckstück muss sichergestellt sein, dass es gut gereinigt und von Politurresten befreit ist. Nachdem der Stein eingesetzt wurde erhält das Schmuckstück die letzte Politur, wird rhodiumbeschichtet oder, je nach Entwurf, mit einer Perle ergänzt. Wenn der Edelsteinfasser einen zu großen Stein eingesetzt hat oder der Verschluss eines Ohrrings ersetzt werden soll, muss der Stein häufig entfernt werden, bevor die Änderungen vorgenommen werden können, da er sonst Gefahr läuft durch die hohen Temperaturen bei der Verarbeitung beschädigt zu werden. Aus diesem Grund wird in unserem Schmuckatelier jedes Schmuckstück genau untersucht, bevor der Stein eingesetzt wird

So funktioniert das Fassen von Edelsteinen

Nachdem das Schmuckstück überprüft wurde, wählt der Fasser einen geeigneten Stein, vermisst das Stück und bohrt Löcher oder Gruben. In den meisten Fällen entfällt diese Vorbereitungsarbeiten von Hand allerdings, da diese schon im Vorfeld geplant und bereits im Gussverfahren erledigt wurden. Der Edelsteinfasser benutzt nun eine Fräse, um die Stelle, an der der Edelstein sitzen soll, zu formen und anzupassen. Anschließend werden die Edelsteine geprüft und die am besten geeigneten ausgewählt. Auch die Orientierung des Steins muss noch bestimmt werden. Nun endlich kommt das Fassen des Steins. Das Werkstück wird gut fixiert, um es dem Fasser zu ermöglichen, ausreichend Druck auszuüben und das Metall um den Stein zu biegen. Wenn der Stein fest sitzt wird er gereinigt und erneut poliert. Das polierte Schmuckstück kann dann, wenn erwünscht, beschichtet oder zum Ankleben von Perlen weitergegeben werden. Nun ist der Schmuck fertig und kann an Sie versendet werden.

Edelsteinfassung KLENOTA Edelsteinfassung - KLENOTA